Geschichte des Vereins

Darstellung des Freundeskreises für Rumänienhilfe in Mössingen – Belsen

Verfasser: Pfr. i.R. Fritz Hirning  (2004)

lm Dezember 1989, als sich die Grenzen nach Rumänien hin öffneten und durch Berichte der Medien die dortige notvolle Lage der Bevölkerung bekannt wurde, erließ der evang. OKR in Stuttgart einen Aufruf an die Pfarrer der evang. Gemeinden in Württemberg, Hilfsgüter für Rumänien zu sammeln und durch geeignete Zusammenarbeit mit christlichen Gemeinden in Rumänien zu sorgen, dass besonders in Kinder-, Behinderten-, Altenheimen und Krankenhäusern Soforthilfe geschehen möge. In den Gottesdiensten und Versammlungen der Kirchengemeinde Öschingen, in der ich zu jener Zeit Pfarrer war, wurde der Aufruf verlesen und im Pfarrhaus die erste Sammelstelle für Hilfsgüter eingerichtet. Bereits im Februar 1990 konnte der erste Lastwagen voll beladen, damals noch hauptsächlich mit Lebensmitteln, nach Rumänien gebracht und in den Gemeinden Medias, Kelling, Urwegen, Rio Vadului und Heltau verteilt werden. In der Folgezeit wurden immer wieder Hilfsgüter nach Rumänien gebracht, denn die Not war groß und die Hilfsaktionen dringend nötig. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet und somit war der Anfang des Freundeskreises für Rumänienhilfe geschaffen.

Nach Beendigung meines Pfarrdienstes in Öschingen (anfangs Juni 90) und Beginn meines Ruhestandes, war es mir möglich, mich intensiv für Rumänien einzusetzen, Eindrücke und Erfahrungen, die ich mittlerweile in Rumänien gemacht hatte, weiterzugeben und Freunde zu sammeln, die bereit waren mitzuhelfen. Besonders aufgeschlossen für diesen Dienst zeigten sich auch fernerhin die Kirchengemeinden Öschingen, Mössingen und Belsen. In der letzteren wurde das Spendenkonto für Rumänienhilfe weitergeführt, sodass den Spendern nach Wunsch eine Spendenbescheinigung durch die Kirchenpflege Belsen ausgestellt werden konnte.

In der Ortschaft Talmaciu, Bezirk Hermannstadt, wurde 1992 ein Heim für Straßenkinder und Sozialwaisen eingerichtet, das sich von Anfang an unserer Hilfe erfreute und bald über 50 Kinder beheimatete. Wir erkannten jedoch dringend, dass es mit einem Kinderheim alleine nicht getan war, denn ein Kind braucht die Geborgenheit seiner Familie, die es so nur in einer Familie finden kann. Ein Kinderheim ist mit den wenigen Angestellten in der Hinsicht überfordert, um allen Kindern Genüge tun zu können. So wurde die Aktion Familienbetreuung ins Leben gerufen. Sozial schwache Familien sollten gleich gar nicht ihre Kinder ins Heim geben müssen, sondern durch uns Beihilfe bekommen. Mit monatlichen finanziellen Hilfen durch Patenschaften, Lebensmittel- und Kleiderspenden versuchten wir die Notlage zu lindern, in Zeltlagern während der Sommerferien und anderen Aktionen (wie die Kartoffelspende) eine umfassende Starthilfe für Kinder zu bewirken. Kranke, behinderte und alte Menschen warteten auf uns, dass wir ihnen die notwendige Soforthilfe gewähren möchten. Unsere Aktionen führten wir zusammen mit Freunden der dortigen Kirchengemeinden durch, deren ortskundiges Wissen Voraussetzung für das Gelingen unserer Arbeit war. Freilich blieben uns die erschreckenden und ungesunden Wohnverhältnisse, in denen manche Familien hausen müssen, nicht verborgen und nicht zuletzt halfen wir finanziell den Kirchengemeinden bei der Renovierung oder beim Neubau von Versammlungsräumen und Kirchen.

Es blieb nicht aus, dass die Erwartungen der Armen auf unsere Hilfe von Jahr zu Jahr größer wurden, aber, Gott Lob und Dank, auch der Freundeskreis, der durch große Opfer die Voraussetzung schaffte, dass wir die finanziellen Verpflichtungen erfüllen konnten. Heute zählt unser Freundeskreis über 250 Familien, die durch Einzelspenden oder in Daueraufträgen unser Werk tragen. Im Rechnungsjahr 2003 betrug das Spendenaufkommen über 52.473,66 Euro. Das hatte zur Folge, dass uns die Kirchengemeinde Belsen, unter deren Schirmherrschaft bisher unser Werk gedeihen und wachsen konnte, nahelegte, eine selbständige Form zu schaffen, damit die Kirchenpflege Belsen durch unsere Arbeit nicht länger überbelastet sein möge.

Unser Freundeskreis wird (seit 1990 bis 2018 Anm.d.R.) geleitet durch meinen Vorsitz. In einem schnell zusammengerufenen Mitarbeiterkreis von zurzeit sieben Personen wird vor allem die einmal im Jahr stattfindende Jahresversammlung vorbereitet, zu der dann etwa 280 Familien, die unserem Freundeskreis angehören, eingeladen werden. Die Jahresversammlung, die meist in den ersten Wochen des jeweiligen neuen Jahres stattfindet, wird in der Regel von etwa 40 – 50 Personen besucht, um sich über den Lauf der Arbeit informieren zu lassen. Das Gros des Freundeskreises wird durch Dankes- und Informationsbriefe drei bis vier Mal im Jahr auf dem Laufenden gehalten.

Wir wollen ein Kreis von Menschen sein, die sich zur Aufgabe gemacht haben, den Armen nach der Weisung und dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus zu helfen. Wir sind übergemeindlich und überkonfessionell und möchten so auch ohne Vorurteile auf Rasse und Konfession armen Menschen in Not beistehen. Finanzielle Verpflichtungen an Mitarbeiter, auch Ersatz für Fahrtauslagen gibt es bei uns nicht. Nachdem wir mit Datum vom 18. Aug. 2004 den Bescheid vom Finanzamt Tübingen bekommen haben, dass unser Trägerverein für den Freundeskreis Rumänienhilfe anerkannt ist, sind wir in der Lage, ein Spendenkonto zu führen und können für Betreuung armer Familien auf Verlangen mildtätige Spendenbescheinigungen auszustellen.

Mössingen, den 18. September 2004

Unterschrift: Fritz Hirning