Talmaciu

Trumuhr ohne Zeiger – ist die Zeit stehen geblieben?

Talmaciu liegt südwestlich von Hermannstadt. Früher wohnten hier viele deutschstämmige Siebenbürger Sachsen. Seit sie fast alle weggezogen sind, hat sich der Ort spürbar verändert. Zwar prägt die Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde immer noch das Ortsbild. Sie ist äußerlich auch gut instand gehalten. Doch an der Uhr fehlen die Zeiger – hier ist die Zeit irgendwie stehen geblieben.
Und doch gibt es sie immer noch: deutsch sprechende Christen einer Brüdergemeinde. Zur ihr gehören etwa 80 Familien. Sie hat keinen Pfarrer, sondern wird von einem Brüderrat geleitet. Die Kirche ist geräumig. Eine Küche, mehrere Gemeinderäume und ein Becken für die Großtaufe gehören auch dazu. All das zeugt von einem aktiven Gemeindeleben.

Elena und Bela Iach mit Pfr. Siegfried Schanz (links)

Elena und Bela Iach sind wundervolle Gastgeber. Sie lachen gern und erzählen von ihren Kindern, die in Deutschland studieren und eines Tages in die Mission gehen wollen. Bela spielt in den Gottesdiensten der Gemeinde das Harmonium.
Seine Schwiegereltern verwalten für die Rumänienhilfe das Geld für 29 Patenkinder. Ein Fall sticht besonders heraus: ein zwanzigjähriger junger Mann, der nicht spricht und hyperaktiv ist. Er braucht ständig Fürsorge und Aufsicht. Der Vater geht arbeiten, aber die Mutter muss immer für den Jungen da sein. Auch der jüngere Bruder wird in die Betreuung eingebunden. Wie anstrengend muss das sein, den ganzen Tag – wirklich Tag und Nacht – diesen behinderten Jungen um sich zu haben.
Wir erfahren im Gespräch mit den Eltern, dass es vierzig behinderte Menschen in Talmaciu gibt, aber keine Einrichtung, die sie aufnimmt oder fördert oder Beschäftigung anbietet. Der orthodoxe Priester sucht jetzt mal nach einem Raum, in dem vielleicht eine Betreuung organisiert werden kann. Diakonische und soziale Arbeit mit behinderten Menschen steckt in Rumänien noch ganz in den Kinderschuhen. Das sollte sich dringend und bald ändern.